Frühmittelalter und Wikinger Helme
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Frühmittelalterliche Helme und Wikingerhelme gehören zu den faszinierendsten Objekten der mittelalterlichen Militärgeschichte. Von einfachen Spangenhelmen aus dem 5. Jahrhundert bis zu aufwendig verzierten Prunkstücken wie dem Valsgärde-Helm reicht das Spektrum der erhaltenen Vorbilder – und auf eben diesen archäologischen Funden basieren die Repliken, die du hier findest. Das Sortiment umfasst 50 Helme von Herstellern wie Battle Merchant, Lord of Battles und House of Warfare, mit Stahlstärken von 1,0 bis 2,0 mm und Preisen von rund 59 bis 588 Euro.
Wikingerhelme historisch: Zwischen Mythos und archäologischem Befund
Der gehörnte Wikinger ist eines der hartnäckigsten Missverständnisse der Populargeschichte. Archäologisch ist er schlicht nicht haltbar: Der einzige vollständig erhaltene Helm, der sich eindeutig der Wikingerzeit zuordnen lässt, ist der Gjermundbu-Helm, gefunden 1943 in Norwegen und datiert auf das 9. bis 10. Jahrhundert. Er zeigt keine Hörner, keine Flügel – sondern eine schlichte, konische Kalotte mit charakteristischem Brillenschutz für Augen und Nase.
Hörner am Helm sind tatsächlich belegt – aber als ritueller Kopfschmuck der Bronzezeit, also Jahrtausende vor den Wikingern. Die berühmten gehörnten Helme aus Veksø (Dänemark) stammen aus ca. 900 v. Chr. und hatten mit Kriegsausrüstung nichts zu tun. Die Popularisierung des Horns als „typisches Wikingersymbol" geht vor allem auf romantisierende Gemälde des 19. Jahrhunderts zurück.
Der Begriff Wikingerhelm beschreibt im engeren Sinne Helme, die im Zeitraum von ca. 800 bis 1100 n. Chr. auf dem Gebiet des heutigen Skandinaviens, der britischen Inseln und Nordeuropas verwendet wurden. Helmformen dieser Epoche – Spangenhelm, Brillenhelm, Nasalhelm – sind durch archäologische und schriftliche Quellen belegt.
Eine kurze Randbemerkung zu einer häufig gestellten Frage: Die „Zahl 70 auf der Rückseite eines Wikingerhelms" ist kein historisches Phänomen. Sie stammt aus der TV-Serie Vikings und hat keine archäologische Grundlage.
Welcher Helm passt zu welchem Zweck?
Helme mit 1,0 mm Stahl eignen sich für die optische Präsentation, als Dekorationsstück oder Requisite. Die Oberflächen sind oft sorgfältig bearbeitet und sehen authentisch aus – für aktive Nutzung im Kampf sind sie nicht ausgelegt. Ein guter Einstieg, wenn du ein Regal oder einen Helmständer bestücken möchtest.
Helme mit 1,2 bis 1,6 mm Stahl bieten einen guten Kompromiss zwischen Gewicht und Schutzwirkung. Sie sind für Mittelaltermärkte, Kostümveranstaltungen und leichtes LARP geeignet – ohne das volle Gewicht eines Schaukampfhelms. Der Normannische Nasalhelm mit 1,6 mm ab ~59 Euro ist ein klassisches Einstiegsmodell für diesen Bereich.
Für Reenactment und lebendige Geschichte zählt historische Korrektheit: Das Vorbild (z. B. Gjermundbu, Coppergate, Valsgärde 8) sollte zur dargestellten Epoche und Region passen. Für den aktiven Schaukampf – ob HEMA, Buhurt oder Schaukampfgruppen – sind 2,0 mm Stahl und eine ausdrückliche Schaukampftauglichkeits-Zertifizierung Pflicht. Viele Modelle im Sortiment erfüllen diese Anforderung.
Historische Vorbilder: Von Gjermundbu bis Valsgärde
Vendelzeit
Die Vendelzeit in Schweden gilt als formgebende Epoche für viele frühmittelalterliche Helmformen. In Schiffsgräbern wie Valsgärde und Vendel wurden reich verzierte Helme mit Wangenklappen, Kettenbrünnen und figuralem Dekor gefunden. Diese Stücke beeinflussten die Helmgestaltung der folgenden Wikingerzeit maßgeblich.
Coppergate-Helm (York)
Der Coppergate-Helm, gefunden in York (England), ist eines der besterhaltenen frühmittelalterlichen Fundstücke aus dem angelsächsischen Raum. Er besteht aus mehreren Stahlsegmenten, trägt eine lateinische Messinginschrift und ist mit einer vollständigen Kettenbrünne ausgestattet. Im Sortiment ist er mit vernieterter und unvernieteter Brünne in 1,6 mm Stahl erhältlich.
Gjermundbu-Helm (Norwegen)
Der 1943 im norwegischen Ringerike-Distrikt gefundene Gjermundbu-Helm ist der einzige vollständig erhaltene Wikingerhelm der Welt. Er besteht aus vier Metallplatten mit umlaufendem Stirnreif und einem charakteristischen Brillenschutz. Er dient als direkte Vorlage für viele Repliken im Sortiment – mit und ohne Kettenbrünne, in 1,6 und 2,0 mm Stahl.
Valsgärde 8 (Schweden)
Der Helm aus dem Schiffsgrab Valsgärde 8 in Uppland, Schweden, zählt zu den aufwendigsten frühmittelalterlichen Helmfunden. Mit seinem verzierten Gesichtsschutz, figuralem Dekor und der vollständigen Kettenbrünne ist er ein Prunkstück der Vendelzeit. Die Replik im Sortiment kostet 588 Euro und richtet sich an Sammler und ernsthafte Reenactoren.
Stärke und Aufbau: Was macht einen guten Frühmittelalter-Helm aus?
| Stahlstärke | Eignung | Typische Modelle |
|---|---|---|
| 1,0 mm | Dekoration | Normannenhelm 'St. Wencelas', leichte Nasalhelme |
| 1,2 mm | Leichtes LARP | Rus-Helm mit Pferdehaarbusch |
| 1,6 mm | LARP / Reenactment | Coppergate-Helm, Spangenhelme, Normannischer Nasalhelm |
| 2,0 mm | Schaukampf | Gjermundbu, Wikinger Brillenhelm, Nasalhelm mit Wangenklappen |
| Kohlenstoffstahl | Historisch / Profi | Ausgewählte Modelle von Battle Merchant und Lord of Battles |
Neben der Stahlstärke spielt die Kettenbrünne eine wichtige Rolle: Sie schützt Nacken, Wangen und Schultern und ist historisch für viele Helmtypen belegt. Im Sortiment gibt es Helme mit vernieteter Brünne (höherer Fertigungsaufwand, stabiler) und unvernieteter Brünne (leichter, günstiger). Wangenklappen bieten seitlichen Schutz und sind vor allem bei Nasalhelmen und späteren Typen verbreitet. Für Schaukampf-Anwendungen gilt: Die ausdrückliche Kennzeichnung als „schaukampftauglich" ist kein Marketing-Begriff, sondern ein Qualitätsmerkmal, das auf Materialstärke und Verarbeitung schließen lässt.
Die wichtigsten Helmtypen des Frühmittelalters im Überblick
Spangenhelm
Der Spangenhelm ist der meistverbreitete Helmtyp der Spätantike und des Frühmittelalters. Er besteht aus einem metallenen Stirnreif, vertikalen Spangen und dazwischenliegenden Füllplatten. Diese Konstruktionsweise ermöglichte eine flexible Anpassung an verschiedene Kopfgrößen und war ressourcenschonend in der Herstellung. Im Sortiment sind Spangenhelme ab ca. 101 Euro in 1,6 und 2,0 mm Stahl erhältlich.
Brillenhelm (Gjermundbu-Typ)
Der Brillenhelm trägt seinen Namen vom charakteristischen Augen-Nasen-Schutz, der wie eine stilisierte Brille aussieht. Er ist eng mit dem Gjermundbu-Fund verbunden und gilt als der typischste „Wikingerhelm" im archäologischen Sinne. Der Schutzbereich ist auf Stirn, Augen und Nase konzentriert – Wangenklappen und Kettenbrünne ergänzen den Gesamtschutz.
Nasalhelm & Coppergate-Typ
Der Nasalhelm mit seinem schlicht herabhängenden Nasal (Nasenschutz) war der normannische Standard des 11. und 12. Jahrhunderts – bekannt vom Teppich von Bayeux. Der Coppergate-Helm stellt das angelsächsische Gegenstück dar: aufwendiger konstruiert, mit Messinginschrift und vollständiger Kettenbrünne. Östliche Varianten wie der byzantinische Helm und der Rus-Helm ergänzen das Sortiment um weitere frühmittelalterliche Traditionen.
Häufige Fragen zu Frühmittelalter-Helmen kurz beantwortet
Die spitze oder hohe Kalotte vieler frühmittelalterlicher und hochmittelalterlicher Helme hatte einen klaren funktionalen Hintergrund: Eine gewölbte oder konisch zulaufende Form leitet Schwerthiebe und Axthiebe seitlich ab, anstatt die volle Kraft auf den Schädel zu übertragen. Das gleiche Prinzip gilt für moderne Schutzhelme. Besonders bei Spangenhelmen ist diese Konstruktion häufig zu finden.
Der Morion ist ein Helm des 16. Jahrhunderts, der vor allem bei spanischen Konquistadoren und europäischen Infanteristen der Renaissance verbreitet war. Er zeichnet sich durch einen hohen Kamm oben und zwei charakteristisch nach oben geschwungene Krempenspitzen aus. Mit dem Frühmittelalter und der Wikingerzeit hat er nichts zu tun – er gehört in den Bereich Renaissance-Helme.
Der allgemeine lateinische Begriff für einen Helm war Galea. Die bekanntesten römischen Helmtypen sind der Coolus-Helm (einfache Halbkugel, keltischer Ursprung), der Montefortino-Helm (älterer republikanischer Typ), sowie die sogenannten Imperial-Gallic- und Weisenau-Helme der Kaiserzeit mit ausgeprägtem Nackenschutz und Wangenschutzsegmenten. Für Römer-Reenactment verweise ich auf die Kategorie Antike Rüstungen.
Der deutsche Stahlhelm des Ersten Weltkriegs hieß offiziell Stahlhelm M16 (Modell 1916) und ersetzte ab 1916 die ledernen Pickelhauben. Frankreich verwendete den Adrian-Helm (Casque Adrian), Großbritannien den Brodie-Helm (auch „Tommy-Helm" genannt). Diese Helme gehören nicht zum mittelalterlichen Sortiment, werden aber häufig im Zusammenhang mit Schutzhelm-Geschichte gefragt.
Archäologisch gesichert ist vor allem der Gjermundbu-Helm (Norwegen, 9./10. Jh.) als Brillenhelm-Typ. Daneben deuten schriftliche Quellen und Bilddarstellungen auf Spangenhelme und Nasalhelme hin, wie sie auch bei Normannen und Angelsachsen verbreitet waren. Der Coppergate-Helm aus York zeigt eine angelsächsische Variante. Hörnerhelme gehören zur Bronzezeit, nicht zur Wikingerzeit.
Passend zum Helm: Rüstungskomponenten für ein vollständiges Frühmittelalter-Set
Ein Frühmittelalter-Helm wirkt erst im Kontext eines vollständigen Setups. Die klassische Kombination für Wikinger-Reenactment besteht aus Helm, Kettenhemd und einem Gambeson als dämpfende Unterlage – letzterer ist auch ohne Kettenhemd tragbar und schützt bei LARP-Anwendungen. Als zentrale Verteidigungskomponente kommt ein runder Wikinger-Schild hinzu.
Auf Angriffsseite ergänzen Wikinger-Äxte und Wikingerschwerter das Set historisch korrekt. Wer ein vollständiges Outfit anstrebt, findet passende Wikinger-Kleidung für Herren und Wikinger-Kleidung für Damen im Shop. Für andere Epochen lohnt ein Blick auf Hochmittelalter-Helme und Spätmittelalter-Helme als Geschwisterkategorien.
Zur Aufbewahrung und Präsentation empfiehlt sich ein Helmständer – er schützt den Helm vor Verformung und macht ihn gleichzeitig zum Blickfang in jedem Raum oder Lager.
Ob du deinen ersten Spangenhelm für das Mittelalterlager suchst oder eine detailgetreue Valsgärde-Replik für die Sammlung – schau dich in der Kategorie um und nutze bei Fragen zur Stärke, Schaukampftauglichkeit oder historischen Einordnung gerne unsere telefonische Beratung.
Häufig gestellte Fragen
Der Spangenhelm ist eine Konstruktionsform: Er besteht aus Stirnreif, vertikalen Spangen und Füllplatten – und war der meistverbreitete Helmtyp vom 5. bis ins 12. Jahrhundert, weit über die Wikingerzeit hinaus. 'Wikingerhelm' bezeichnet dagegen Helme, die in der Wikingerzeit (ca. 800–1100 n. Chr.) verwendet wurden – darunter Brillenhelme wie der Gjermundbu-Typ, Nasalhelme und eben auch Spangenhelme. Beide Begriffe überschneiden sich also, sind aber nicht deckungsgleich.
Für aktiven Schaukampf – ob Buhurt, HEMA-Freikampf oder organisierte Schaukampfgruppen – sind Helme mit mindestens 2,0 mm Stahl empfohlen. Wichtig ist außerdem, dass der Helm ausdrücklich als 'schaukampftauglich' zertifiziert ist; diese Angabe findest du bei den entsprechenden Modellen direkt im Produktnamen. Für Reenactment ohne Vollkontaktkampf reicht häufig auch 1,6 mm.
Nein – das ist ein weit verbreiteter Mythos ohne archäologische Grundlage. Der einzige vollständig erhaltene Wikingerhelm (Gjermundbu, Norwegen, 9./10. Jh.) zeigt keinerlei Hörner. Gehörnte Helme sind tatsächlich aus der Bronzezeit belegt, wurden aber als ritueller Kopfschmuck verwendet. Die Verbindung von Hörnern mit Wikingern geht auf romantisierende Darstellungen des 19. Jahrhunderts zurück.
Für die meisten Helme im Sortiment wird der Kopfumfang in Zentimetern als Maß angegeben – miss einfach den Umfang knapp über den Ohren mit einem Maßband. Viele Modelle sind in den Größen S, M und L erhältlich. Bei Helmen mit verstellbarem Innenpolster ist der Größenbereich etwas flexibler. Im Zweifelsfall hilft dir unsere telefonische Beratung weiter.
Ja, die meisten Helmmodelle im Sortiment sind sowohl mit als auch ohne Kettenbrünne erhältlich – oder ausschließlich ohne. Eine Kettenbrünne schützt Nacken, Wangen und Schultern und ist historisch für viele Helmtypen belegt, aber nicht zwingend notwendig für Dekoration oder leichtes LARP. Für Schaukampf wird die Kombination mit Brünne jedoch dringend empfohlen.









