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Mittelalter Brillen



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Die Brille ist eine mittelalterliche Erfindung – und mit den Spätmittelalter-Brillengestellen aus Holz lässt sich diese Geschichte direkt am eigenen Outfit erlebbar machen. Ob für Reenactment-Darstellungen des 14. bis 16. Jahrhunderts oder als authentisches Detail beim LARP: Hier findest du handgearbeitete Repliken nach historischen Originalfunden, die deine Gewandung um ein oft übersehenes, aber historisch belegtes Accessoire erweitern.

Die Erfindung der Brille im Mittelalter: Von der Nietbrille zur Holzfassung

1285–1289

Die erste Nietbrille

In Norditalien – wahrscheinlich in Pisa oder Venedig – entstehen die ersten binokularen Sehhilfen: zwei Linsen, die über einen Niet miteinander verbunden werden. Diese sogenannte Nietbrille wird vor die Augen gehalten oder auf der Nase balanciert, Bügel gibt es noch nicht. Der Name „Brille" leitet sich übrigens vom Halbedelstein Beryll ab, aus dem frühe Linsen geschliffen wurden.

1352

Älteste bildliche Darstellung

Im Kloster San Niccolò in Treviso entsteht ein Fresko, das den Heiligen Kardinal Hugo von Provence mit einer Nietbrille zeigt – die älteste bekannte bildliche Überlieferung dieser Sehhilfe. Sie belegt, dass Brillen bereits zur Mitte des 14. Jahrhunderts im gelehrten Umfeld verbreitet waren.

14.–15. Jh.

Vom Niet zur Feder

Die Brillenkonstruktion entwickelt sich weiter: Neben der Nietkonstruktion entstehen sogenannte Federbrillen, bei denen eine gebogene Feder die zwei Fassungshälften zusammenhält und einen gewissen Klemmdruck erzeugt. Die Gestelle werden aus Holz, Horn oder Knochen gefertigt, die Linsen aus geschliffenem Glas oder Bergkristall.

15.–16. Jh.

Stabilere Sattelstegkonstruktionen

Im Spätmittelalter und der frühen Neuzeit werden die Gestelle technisch ausgereifter: Sattelstegkonstruktionen verbessern den Halt auf der Nase, die Verarbeitung wird präziser. Holz – insbesondere Kirschholz – setzt sich als bevorzugtes Material durch. Diese Epoche decken die Repliken im Sortiment ab.

Wie sahen Brillen im Mittelalter aus? Bauformen und Materialien

Wie sahen Brillen im Mittelalter aus? Bauformen und Materialien

Die klassische mittelalterliche Brille besteht aus zwei runden Fassungen, die über einen zentralen Niet oder eine Feder miteinander verbunden sind – daher die Bezeichnungen Niet- und Federbrille. Bügel oder Ohrhaken, wie wir sie heute kennen, gab es nicht: Die Brille wurde entweder vor die Augen gehalten oder auf der Nasenbrücke balanciert, was ihren Einsatz auf ruhige Lese- und Schreibsituationen beschränkte.

Als Materialien dienten verschiedene Harthölzer – Kirschholz war besonders verbreitet –, aber auch Horn und Knochen. Die Linsen wurden aus geschliffenem Glas oder Bergkristall gefertigt. Im frühen Stadium handelte es sich fast ausschließlich um Konvexgläser für Weitsichtige; Korrekturgläser für Kurzsichtige kamen erst später auf. Wer also im Mittelalter eine Brille trug, war in der Regel auf Lesehilfe angewiesen – ein gutes Indiz für die soziale Stellung des Trägers.

Historische Vorbilder: Die Brillengestelle und ihre Originalfunde

Bergen op Zoom

Niederlande, 14.–15. Jh.

Einer der bekanntesten archäologischen Fundorte für mittelalterliche Brillengestelle. Der Fund aus Bergen op Zoom diente als direkte Vorlage für mehrere Repliken im Spätmittelalter-Sortiment und zeigt die typische Bogenform früher Holzfassungen.

Freiburg im Breisgau

Deutschland, 14.–15. Jh.

Aus nordeuropäischen Stadtgrabungen, darunter Freiburg im Breisgau, stammen weitere Originalfunde, die die Verbreitung mittelalterlicher Brillen im deutschsprachigen Raum belegen. Die Funde zeigen Unterschiede in Stegform und Fassung gegenüber den niederländischen Stücken.

Nordeuropäische Stadtgrabungen

15.–16. Jh.

Spätere Funde aus verschiedenen nordeuropäischen Stadtgrabungen belegen die Entwicklung zu stabileren Sattelstegkonstruktionen. Die Repliken im Sortiment decken diesen Zeitraum mit vier verschiedenen Modellen ab und folgen den Maßen der Originalfunde so nah wie möglich.

Das passende Gesamtoutfit: Wie du die Brille sinnvoll einbindest

Die Brille passt zu Darstellungen des Spätmittelalters, also etwa 1350 bis 1520. Historisch belegte Träger waren Kaufleute, Mönche, Ärzte, Schreiber und Gelehrte – also Berufsgruppen, die viel lasen oder schrieben. Für LARP-Charaktere eignet sich die Brille entsprechend für bürgerliche, klerikale oder magische Figuren, die Bildung oder Gelehrsamkeit verkörpern.

Für ein stimmiges Gesamtbild empfehlen sich Gürteltaschen und Beutel für Schreibutensilien, ein Mittelalter-Messer am Gürtel sowie Hygienebestecke oder Kämme. Auch mittelalterliche Accessoires wie Zinnabzeichen oder Fibeln runden das Erscheinungsbild ab. Den Blog-Artikel „Mittelalter Accessoires: Diese 10 Details machen dein Outfit komplett" findest du im Mittelalter-Wissen-Bereich des Shops.

Als Kleidungsgrundlage eignen sich ein Mittelalter-Hemd, ein Wams sowie eine passende Kopfbedeckung – für den Mönch eine Kapuze, für den Kaufmann eine schlichte Kappe. Die Brille fügt sich in dieses Gesamtbild als letztes Detail ein und hebt die Darstellung auf eine andere Ebene.

Die Brillengestelle aus dem Vehi-Mercatus-Sortiment: Was du bekommst

Die Brillengestelle aus dem Vehi-Mercatus-Sortiment: Was du bekommst

Im Sortiment findest du vier Modelle aus Kirschholz, gefertigt als Repliken nach historischen Funden des 14. bis 16. Jahrhunderts. Jedes Modell orientiert sich an einem anderen archäologischen Vorbild und unterscheidet sich in Stegform, Fassungsweite und Gesamtproportionen – ein Unterschied, der für die Reenactment-Darstellung relevant sein kann, wenn du eine bestimmte Epoche oder Region abbilden möchtest.

Alle vier Gestelle sind in der Eigenmarke Vehi Mercatus gefertigt, Produktdesign und Mustererstellung erfolgen inhouse. Der Preis liegt einheitlich bei rund 37 €, was diese Repliken sowohl für Einsteiger als auch für erfahrene Darsteller zugänglich macht. Die Gestelle werden ohne Gläser geliefert – zur Verglasung weiter unten mehr.

Wer trug im Mittelalter eine Brille? Soziale und historische Einordnung

Wer trug im Mittelalter eine Brille? Soziale und historische Einordnung

Brillen waren im Mittelalter teuer und selten. Geschliffenes Glas und die handwerkliche Fertigung der Fassung machten sie zu einem Luxusgut, das sich nur bestimmte gesellschaftliche Schichten leisten konnten. Typische Träger waren Gelehrte, Mönche, Schreiber und Kaufleute – also Berufsgruppen mit hohem Lesebedarf und entsprechendem Einkommen.

Die ikonografische Überlieferung zeigt Heilige und Kirchenväter häufig mit Brille – nicht unbedingt weil sie alle weitsichtig waren, sondern weil die Brille als Symbol für Gelehrsamkeit und Weisheit galt. Wer in der bildenden Kunst mit Brille dargestellt wurde, war ein Mensch des Geistes. Für Reenactment-Darstellungen ist das ein wichtiger Hinweis: Die Brille ist kein allgemeines Accessoire, sondern ein gezieltes Charaktermerkmal für bürgerliche, klerikale oder gelehrte Figuren des Spätmittelalters.

Mittelalter-Brille mit Sehstärke: So funktioniert die Verglasung

Mit Sehstärke (Optiker)
  • Gestelle sind offen gestaltet und können beim Optiker mit modernen Gläsern versehen werden
  • Runde Fassungsform erfordert das Zuschneiden auf Kreisformat – Nachfrage beim Optiker im Vorfeld empfohlen, da nicht jeder damit vertraut ist
  • Auch leicht getönte Gläser für ein historisches Erscheinungsbild möglich
  • Kombination aus historischer Optik und moderner Sehkorrektur ideal für aktive Darsteller
Ohne Gläser (dekorativ)
  • Gestelle können auch vollständig ohne Verglasung getragen werden
  • Historisch authentisch: viele Originalfunde sind ebenfalls ungefasst überliefert
  • Klargläser als rein dekorative Option ebenfalls möglich
  • Kein Optiker-Besuch erforderlich – sofort einsatzbereit nach dem Kauf
Vehi Mercatus ist seit über 20 Jahren Fachhandel für Mittelalter, Reenactment und LARP. Bei Fragen zur Verglasung, Passform oder zur Einordnung in dein Gesamtoutfit erreichst du das Team telefonisch Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr. 30 Tage Rückgaberecht, Trusted Shops Mitglied. Stationärer Lagerverkauf in Rinchnach im Bayerischen Wald.

Such dir dein passendes Brillengestell aus Holz direkt im Sortiment aus und gib deiner Spätmittelalter-Darstellung das letzte authentische Detail. Wer Fragen zur Verglasung oder zur historischen Einordnung hat, findet beim Team in Rinchnach oder telefonisch die richtigen Ansprechpartner.

Häufig gestellte Fragen

Die Nietbrille wurde um 1285 bis 1289 in Norditalien erfunden, wahrscheinlich in Pisa oder Venedig. Sie bestand aus zwei Linsen, die über einen zentralen Niet miteinander verbunden waren, und musste vor die Augen gehalten werden, da es noch keine Bügel gab. Die älteste bekannte bildliche Darstellung einer solchen Brille stammt aus dem Jahr 1352 und befindet sich im Kloster San Niccolò in Treviso.

Mittelalterliche Brillen bestanden aus zwei runden Fassungen aus Holz, Horn oder Knochen, die über einen Niet oder eine Feder verbunden waren. Es gab keine Bügel – die Brille wurde entweder vor die Augen gehalten oder auf der Nasenbrücke balanciert. Die Linsen wurden aus geschliffenem Glas oder Bergkristall gefertigt, meist als Konvexgläser für Weitsichtige.

Die frühe Form der Brille wurde als Nietbrille oder Federbrille bezeichnet, je nach Konstruktion. Der Begriff „Brille" selbst leitet sich vom Halbedelstein Beryll ab, aus dem die ersten Linsen geschliffen wurden. Im 16. Jahrhundert taucht der Begriff „Brille" erstmals schriftlich auf, während die Konstruktion selbst schon über zwei Jahrhunderte früher entstand.

Ja, die Brillengestelle aus dem Sortiment sind so gestaltet, dass sie von einem Optiker mit modernen Gläsern versehen werden können. Da die Fassungen rund sind, muss der Optiker die Gläser auf Kreisformat zuschneiden – nicht jede Werkstatt ist damit vertraut, daher empfiehlt es sich, vorab nachzufragen. Wer keine Sehkorrektur benötigt, kann die Gestelle auch ohne Gläser tragen, was historisch ebenfalls authentisch ist.

Brillen waren im Mittelalter ein Luxusgut und wurden vor allem von Gelehrten, Mönchen, Schreibern und Kaufleuten getragen – Berufsgruppen mit hohem Lesebedarf und entsprechenden finanziellen Mitteln. In der ikonografischen Überlieferung steht die Brille als Symbol für Gelehrsamkeit. Für Reenactment-Darstellungen eignet sich die Brille daher besonders für bürgerliche, klerikale oder gelehrte Charaktere des Spätmittelalters (ca. 1350–1520).

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