Mittelalter Keramik
Mittelalterliche Keramik ist mehr als Dekoration – sie war das alltägliche Geschirr, das auf jedem Tisch stand, an jeder Feuerstelle genutzt wurde und durch das sich Epochen und Regionen klar voneinander unterscheiden lassen. Wer authentisches Reenactment betreibt oder ein stimmiges Lager aufbaut, kommt an handgefertigter Töpferware nach historischen Vorbildern nicht vorbei. Von der einfachen Badorf-Kanne des 8. Jahrhunderts bis zum glasierten Bartmannskrug der Renaissance – jedes Stück erzählt von der Alltagskultur seiner Zeit.
Was mittelalterliche Keramik ausmacht: Herstellungstechniken und Materialien
Zwei Herstellungsverfahren prägen die gesamte Geschichte der mittelalterlichen Töpferei: die Wulsttechnik (Aufbaukeramik) und das Scheibendrehen. Bei der Wulsttechnik werden Tonwülste spiralförmig aufeinandergelegt und geglättet – ein Verfahren, das bis ins Frühmittelalter und weit darüber hinaus belegt ist. Scheibengedrehte Ware hingegen erlaubt gleichmäßigere Wandstärken und wurde vor allem ab dem Hochmittelalter zunehmend eingesetzt.
Ab dem 10./11. Jahrhundert entstand mit dem Steinzeug eine technologisch überlegene Keramikform: Bei Temperaturen über 1200 °C gebrannt, wird der Ton vollständig gesintert und dadurch wasserdicht – ohne Glasur. Rheinische Töpferzentren wie Siegburg, Raeren und Köln waren führend in dieser Technik. Für Trinkgefäße und Kannen, die täglich mit Flüssigkeit in Berührung kamen, war Steinzeug ein erheblicher Fortschritt gegenüber poröserer Aufbaukeramik.
Zur Verzierung verwendeten mittelalterliche Töpfer vor allem drei Techniken: Engobe (eine andersfarbige Tonschlämme, die vor dem Brand aufgetragen wird), Bleiglasur (für glänzende, wasserresistente Oberflächen) und die Arbeit mit dem Malhorn – einem mit flüssigem Ton gefüllten Gefäß, mit dem filigrane Linien und Muster auf die Oberfläche aufgebracht wurden. Das charakteristische rote Zackenmuster der Pingsdorf-Keramik ist das bekannteste Beispiel dieser Dekorationstechnik.
Moderne Repliken, wie sie im Sortiment von Vehi Mercatus zu finden sind, orientieren sich eng an diesen historischen Verfahren: handgefertigt im Aufbauverfahren oder aus Steinzeug gebrannt, mit Oberflächen, die der historischen Vorlage in Optik und Haptik nahekommen.
Die wichtigsten Gefäßtypen und ihre historische Funktion
Becher & Trinkgefäße
Trinkgefäße aus Keramik gehörten in jedem mittelalterlichen Haushalt zur Grundausstattung. Der Wikinger Birka Becher (0,4 l) orientiert sich an Funden aus dem schwedischen Handelszentrum Birka und passt zu skandinavischen Darstellungen des 9.–10. Jh. Der Pingsdorf Becher mit seinem charakteristischen roten Dekor ist für hochmittelalterliche Szenarien gesetzt. Der Gesichtsbecher aus Köln (0,2 l, 13. Jh.) ist ein kunsthandwerkliches Highlight mit plastischem Gesichtsrelief – beliebt auf Märkten und in höfischen Darstellungen.
Kannen & Krüge
Kannen dienten zum Schöpfen, Schenken und Lagern von Getränken. Die Kugelbauchkanne Badorf (0,7 l, 8.–9. Jh.) ist eine der ältesten Formen; die Tatinger Kanne (1,5 l, 9.–10. Jh.) stammt aus karolingischem Kontext und fällt durch ihre elegante Form auf. Die Rheinland Kanne (1,2 l, 13. Jh.) und der Mittelalter Zylinderhalskrug (ca. 0,75 l, 14. Jh.) decken Hochmittelalter und Spätmittelalter ab. Für die Renaissance ist die Pingsdorfer Kanne und schließlich die Pinte die passende Wahl.
Kugeltopf, Öllampe & Aquamanile
Der Kugeltopf war das universelle Koch- und Vorratsgefäß des Mittelalters – direkt in die Glut gestellt, robust und vielseitig. Die 3-flammige Öllampe nach römisch-mittelalterlichem Vorbild sorgt für stimmungsvolles Lagerlicht und ist in Ausführungen mit und ohne Kette erhältlich. Das Aquamanile (0,5 l, 12. Jh.) ist eine figürliche Gieß- und Handwaschkanne aus dem höfischen Kontext – ein Statussymbol an mittelalterlichen Tafeln, das die Tischsitten der Oberschicht widerspiegelte.
Authentizität im Reenactment: Welche Keramik passt zu welcher Darstellung?
Die Wahl der richtigen Keramik hängt direkt von der dargestellten Epoche und Region ab. Eine Siegburg-Tasse im Wikingerlager wäre ebenso anachronistisch wie ein Birka Becher in einer spätmittelalterlichen Stadtszene. Die folgende Übersicht hilft bei der epochengenauen Auswahl:
- Birka Becher – skandinavische Darstellungen, Wikingerzeit
- Kugeltopf – universell für germanische und nordische Lager
- Kugelbauchkanne Badorf – karolingischer Kontext, 8.–9. Jh.
- Tatinger Kanne – Handelsrouten, Nordsee, 9.–10. Jh.
- Passend zu Wikinger Kleidung und Germanen Kleidung
- Pingsdorf Becher & Kanne – 11.–12. Jh., Rheinland
- Siegburg Becher – Steinzeug, städtische Szenarien, 13. Jh.
- Aquamanile – höfische Darstellungen, 12. Jh.
- Gesichtsbecher, Rheinland Kanne – 13. Jh., Kölner Raum
- Zylinderhalskrug, Pinte, Bartmannskrug – Spätmittelalter & Renaissance, auch für LARP
Für eine gezielte Auswahl nach Epoche stehen die Unterkategorien Frühmittelalter Keramik, Hochmittelalter-Keramik, Spätmittelalter-Keramik, Renaissance-Keramik sowie Markt- und LARP-Keramik zur Verfügung.
Von der Merowingerzeit bis zur Renaissance: Keramik durch die Epochen
Frühmittelalter & Karolingerzeit
Kugeltöpfe und Knickwandbecher dominieren das Bild. Die Badorf-Ware aus dem Rheinland und die Tatinger Kanne (mit charakteristischer Zinnfolien-Verzierung) sind Leitfunde dieser Zeit. Im skandinavischen Raum tritt der Birka Becher als typisches Trinkgefäß auf. Die Keramik ist überwiegend handaufgebaut, teilweise mit Rillenverzierung.
Hochmittelalter
Die Pingsdorf-Keramik mit ihrem charakteristischen roten Malhorn-Dekor ist das Leitfossil dieser Epoche. Ab dem 12. Jahrhundert entwickelt sich in Siegburg das erste hochwertige Steinzeug – hart, wasserdicht, alltagstauglich. Das Aquamanile als figürliches Handwaschgefäß tritt in höfischen Kontexten auf und zeugt vom wachsenden Repräsentationsbedürfnis. Köln entwickelt sich zum wichtigsten Töpferzentrum des Rheinlands.
Spätmittelalter
Der Zylinderhalskrug (14. Jh.) ist ein typisches Produkt der Kölner Töpferwerkstätten. Gesichtsbecher mit plastischen Gesichtsreliefs finden weite Verbreitung. Die Töpferzentren in Raeren (Belgien) und Frechen produzieren für ein internationales Publikum – ihre Waren finden sich in archäologischen Fundzusammenhängen von Skandinavien bis England.
Renaissance & Frühe Neuzeit
Der Bartmannskrug mit seinem bärtigen Gesichtsrelief und die Pinte (0,5 l, 16.–17. Jh.) markieren den Übergang zur Neuzeit. Diese Formen sind auch auf Mittelaltermärkten und im LARP verbreitet, da sie robuste, alltagstaugliche Steinzeugwaren darstellen. Regionale Unterschiede zwischen rheinischem Steinzeug und norddeutschen bzw. skandinavischen Töpfertraditionen bleiben bis in diese Zeit bestehen.
Preisübersicht: Einstieg bis hochwertige Repliken
Für den Einstieg ins Thema oder zur Ergänzung des Lagers: Pingsdorf Becher (0,35 l, 11,76 €), Siegburg Becher (0,4 l, ca. 12,61 €) und Wikinger Birka Becher (0,4 l, ca. 13,45 €) sind solide Alltagsstücke mit klarer historischer Referenz. Auch der Gesichtsbecher aus Köln (0,2 l) fällt mit ca. 16,81 € noch in diesen Bereich.
Kannen und größere Gefäße wie die Kugelbauchkanne Badorf (0,7 l), der Knickwandbecher / Frühmittelalter-Becher (0,6 l), der Kugeltopf (0,5 l) und die Rheinland Kanne (1,2 l) liegen im Bereich von ca. 20–29 €. Der Mittelalter Zylinderhalskrug (ca. 0,75 l) ist mit ca. 24 € ein vielseitiges Spätmittelalter-Stück. Alle Stücke sind handgefertigt und stammen aus dem Vehi Mercatus Sortiment.
Die Tatinger Kanne (1,5 l, ca. 31,93 €) und die 3-flammige Öllampe mit Kette (ca. 33,61 €) sind aufwendig gefertigte Repliken für anspruchsvolle Darstellungen. Das Highlight des Sortiments ist das Aquamanile (0,5 l, 12. Jh., ca. 42,02 €) – ein Statussymbol im höfischen Kontext und ein optischer Blickfang auf jedem authentischen Lagertisch. Eine sinnvolle Grundausstattung kombiniert einen Becher, eine Kanne und eine Öllampe.
Pflege und Nutzung: Was du bei handgefertigter Töpferware beachten solltest
Unglasierten Aufbaukeramik-Stücke sind in der Regel nicht vollständig wasserdicht. Für den gelegentlichen Gebrauch auf Märkten oder im Lager ist das kein Problem – für dauerhafte Befüllung über längere Zeit jedoch nicht geeignet. Stücke aus Steinzeug (Siegburg, Pingsdorf) sind durch den Hochbrand wasserdicht und damit alltagstauglicher für regelmäßigen Einsatz.
Handgefertigte Keramik-Repliken solltest du grundsätzlich von Hand mit klarem Wasser und einem weichen Tuch reinigen. Die Spülmaschine ist zu vermeiden – die Kombination aus Hitze, aggressiven Reinigungsmitteln und mechanischen Belastungen kann sowohl Glasuren als auch unglasierte Oberflächen schädigen und die Lebensdauer deutlich verkürzen.
Für die Öllampen empfiehlt sich ausschließlich geeignetes Lampenöl oder gereinigtes Olivenöl – kein Petroleum oder andere Brennstoffe, die für offene Keramiklampen nicht geeignet sind. Dochte sollten regelmäßig auf eine Länge von ca. 5–8 mm gekürzt werden, um gleichmäßiges Brennen und minimale Rußentwicklung zu gewährleisten. Die 3-flammige Öllampe mit Kette kann aufgehängt werden und ist besonders für Zeltbeleuchtung geeignet.
Keramik ist bruchempfindlich – das gilt auch für robustes Steinzeug. Für den Transport auf Mittelaltermärkte oder zu Reenactment-Veranstaltungen empfiehlt sich eine gute Polsterung in der Transportkiste. Stücke einzeln in Stoff einwickeln oder mit Zeitungspapier trennen. Besonders filigrane Formen wie das Aquamanile oder die Tatinger Kanne mit schmalem Hals sollten extra gesichert werden.
Ob Wikinger Birka Becher für das frühmittelalterliche Lager, eine Tatinger Kanne für die Schaustellung oder eine 3-flammige Öllampe für stimmungsvolles Lagerlicht – in den Unterkategorien nach Epoche findest du die passende Mittelalter Keramik für deine Darstellung. Schau dich in Ruhe um oder ruf uns an, wenn du dir bei der Auswahl nicht sicher bist.
Häufig gestellte Fragen
Aufbaukeramik (Wulsttechnik) wird bei niedrigeren Temperaturen gebrannt und ist in der Regel porös – das entspricht der historischen Herstellungsweise vieler früh- und hochmittelalterlicher Gefäße. Steinzeug hingegen wird bei über 1200 °C gesintert, wird dadurch wasserdicht und ist deutlich robuster. Für den regelmäßigen Einsatz mit Flüssigkeiten empfiehlt sich Steinzeug, während Aufbaukeramik-Stücke für Dekorations- und gelegentlichen Schaugebrauch ideal sind.
Für eine Wikinger-Darstellung des 9.–10. Jahrhunderts sind der Wikinger Birka Becher (nach Funden aus dem schwedischen Birka), der Kugeltopf und die Tatinger Kanne die historisch passendsten Stücke. Pingsdorf-Keramik oder Siegburg-Steinzeug wären hingegen anachronistisch, da diese Formen überwiegend aus dem rheinischen Raum stammen und in Skandinavien kaum verbreitet waren.
Steinzeug-Stücke wie der Siegburg Becher oder der Birka Becher sind grundsätzlich lebensmitteltauglich und können zum Trinken verwendet werden. Bei unglasierten Aufbaukeramik-Gefäßen solltest du beachten, dass diese porös sein können und sich daher eher für gelegentlichen Gebrauch oder für Schaustellungszwecke eignen. Für regelmäßigen Trinkbetrieb sind Steinzeugbecher die bessere Wahl.
Ein Aquamanile ist ein figürliches Gieß- und Handwaschgefäß aus dem höfischen Mittelalter, das vor allem im 12. und 13. Jahrhundert verbreitet war. Es diente dazu, Wasser über die Hände der Tischgäste zu gießen – eine wichtige Tischhygiene-Praxis, da man mit den Händen aß. Die figürliche Gestaltung (häufig in Tier- oder Ritterform) machte das Aquamanile auch zu einem Statussymbol. Unsere Replik orientiert sich an hochmittelalterlichen Vorbildern aus dem 12. Jahrhundert.
Für LARP und Märkte, wo Optik und Robustheit im Vordergrund stehen, eignen sich besonders die Steinzeug-Becher (Siegburg, Pingsdorf, Birka) sowie der Zylinderhalskrug, die Pinte und der Bartmannskrug. Diese Stücke sind alltagstauglich, wirken stimmungsvoll und sind epochenunabhängig einsetzbar. In der Unterkategorie Markt-Mittelalter und LARP-Keramik findest du speziell für diesen Zweck zusammengestellte Stücke.









