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Ob Pilgerzinnabzeichen, Fibel oder Wadenwickelhaken – Anstecker im historischen Sinne sind weit mehr als Schmuck: Sie zeigen Zugehörigkeit, Frömmigkeit oder Stand und gehören zur Gewandung wie Gürtel und Schuh. Diese Kategorie versammelt Ansteckbares für Reenactment, LARP und Mittelaltermarkt – von der handgefertigten Knochennadel bis zum versilberten Hugin-&-Munin-Haken.

Was gehört zum Anstecken? Ein Überblick über die Typen

Was gehört zum Anstecken? Ein Überblick über die Typen

Auf den ersten Blick scheinen Fibel, Zinnabzeichen und Wadenwickelhaken wenig gemeinsam zu haben – der entscheidende Nenner ist jedoch: Alle werden an der Gewandung befestigt oder eingenäht. Damit erfüllen sie sowohl eine funktionale als auch eine symbolische Rolle.

Eine Fibel (von lat. fibula, Spange) hält Umhang, Übergewand oder Hemd zusammen und war im Früh- wie im Hochmittelalter unverzichtbar. Zinnabzeichen und Pilgerabzeichen wurden an Hut, Mantel oder Tasche gesteckt und kommunizierten auf einen Blick, wer jemand war, was er glaubte oder welche Wallfahrt er absolviert hatte. Wadenwickelhaken dagegen sind ein rein praktisches Element der wikingerzeitlichen Tracht: Sie werden ans Ende der Wadenwickel angenäht und halten den Stoff sicher am Bein.

Im Shop findest du diese Typen in drei Unterkategorien: Mittelalter Zinnabzeichen, Pilgerabzeichen und Heiligenabzeichen, Mittelalter Fibel, Ringfibel und Fürspangen sowie Gebendenadeln und Haarnadeln. Die Materialpalette reicht von Zinn und Messing über versilbertes Messing bis hin zu Knochen.

Zinnabzeichen und Pilgerabzeichen: Geschichte und Bedeutung

Zinnabzeichen gehören zu den faszinierendsten Kleinfunden des Mittelalters. Ihre Blütezeit liegt im 14. und 15. Jahrhundert, obwohl einzelne Vorläufer schon früher belegt sind. Gefertigt in einfachen Gussformen, waren sie erschwinglich genug, um auch von einfachen Menschen getragen zu werden – und weitverbreitet genug, um als Massenphänomen zu gelten.

Die bekannteste Gruppe sind die Pilgerzeichen: Die Jakobsmuschel stand für den Jakobsweg nach Santiago de Compostela, der Heilige Christophorus schützte Reisende auf gefährlichen Wegen, der Erzengel Michael galt als Schutzpatron gegen das Böse. Wer ein solches Abzeichen am Hut oder Mantelkragen trug, signalisierte damit vollbrachte Wallfahrt – und genoss gesellschaftliches Ansehen.

Daneben existierten weltlich-ritterliche Zinnabzeichen: das Kreuz der Tempelritter, Tjosten-Szenen mit Rittern zu Pferd oder das Motiv der Rose-en-Soleil, das Haus-Abzeichen Eduards IV. von England um 1470. Auch Berufssymbole und heraldische Zeichen kamen als Abzeichen vor.

Eine historisch belegte, aber im modernen Kontext oft übergangene Kategorie sind die erotischen Zinnabzeichen: rennende Phalli mit Glöckchen, gekrönte Vulven zu Pferd mit Armbrust und Flegel. Diese Objekte wurden tatsächlich getragen – vermutlich als apotropäische Abwehrzeichen, als Fruchtbarkeitssymbole oder schlicht als derber Humor des Spätmittelalters. Originale dieser Art tauchen regelmäßig in archäologischen Funden aus den Niederlanden und England auf. Wer eine vollständige Pilgerdarstellung des 14. oder 15. Jahrhunderts anstrebt, sollte diese Kategorie kennen.

Zinnabzeichen wurden mit einer kleinen Nadel oder einem Stift durch Stoff gesteckt und rückseitig umgebogen – keine dauerhafte Verbindung, sondern eine lösbare Befestigung, was erklärt, warum so viele Originale erhalten geblieben sind.

Fibeln, Ringfibeln und Fürspangen: Die klassischen Gewandschließen

Der Begriff Fibel leitet sich vom lateinischen fibula ab und bedeutet schlicht Spange oder Klammer. Im archäologischen Kontext bezeichnet er jede Art von Gewandnadel mit Verschlussmechanismus. Im Mittelalter entwickelte sich daraus ein breites Spektrum an Formen.

Die Ringfibel ist die schlichteste und verbreitetste Form: ein einfacher Metallring mit einem beweglichen Dorn, der durch den Stoff geführt und am Ring verhakt wird. Sie war vom Frühmittelalter bis weit ins Spätmittelalter in Gebrauch und eignet sich hervorragend zum Schließen von Umhängen über der Schulter oder am Ausschnitt eines Hemdes. Die Scheibenfibel war flächiger, oft verziert und konnte als Schmuckstück dienen. Die Fürspange schließlich – auch Agraffe genannt – war aufwendiger gearbeitet und wurde bevorzugt am Ausschnitt von Übergewändern getragen, häufig mit figürlichen oder floralen Motiven.

Zeitlich decken Fibeln eine außerordentlich lange Spanne ab: Von einfachen wikingerzeitlichen Ringfibeln des 8. bis 10. Jahrhunderts bis hin zu reich verzierten spätmittelalterlichen Fürspangen des 14. und 15. Jahrhunderts reicht die historische Überlieferung. Für die Darstellung einer Wikingerdarstellung sind andere Typen passend als für ein hochmittelalterliches Kreuzfahrerkostüm – die Unterkategorie Mittelalter Fibeln gibt dir einen guten Überblick über die verfügbaren Optionen.

Anstecker nach Epoche und Darstellung

Frühmittelalter & Wikinger

8.–10. Jahrhundert

Einfache Ringfibeln aus Messing oder Silber zum Schließen von Umhang und Übergewand. Dazu: Wikinger Wadenwickel-Haken mit Hugin-&-Munin-Motiv in Messing oder versilbertem Messing – unverwechselbar nordisch und direkt am Wadenwickelende anzunähen.

Hochmittelalter

11.–13. Jahrhundert

Pilgerabzeichen nehmen zu, religiöse Motive dominieren: Jakobsmuschel, Christophorus, Heiligenzeichen. Ringfibeln bleiben gebräuchlich, erste aufwendigere Fürspangen entstehen. Passend zur mittelalterlichen Herrengewandung dieser Zeit.

Spätmittelalter & LARP

14.–15. Jh. / Fantasy

Aufwendige Zinnabzeichen mit ritterlichen Szenen (Tjosten, Tempelritter) und profanen Motiven (Phallus, Pelikan, Rose-en-Soleil). Für LARP gilt: Die Epochenbindung ist weniger strikt – der optische Eindruck und die Stimmigkeit des Gesamtlooks zählen. Mittelalterliche Gewandschließen ergänzen das Bild.

Zinnabzeichen vs. andere Anstecker: Materialien im Vergleich

Material Typische Verwendung Eignung Pflege
Zinn Pilgerabzeichen, Standeszeichen, Devotionalien Historisch Trocken lagern, leicht mit Tuch polieren
Messing Wadenwickelhaken, Fibeln, Ringfibeln Historisch Gelegentlich mit Messingpolitur behandeln
Versilbertes Messing Dekorative Fibeln, Wadenwickelhaken (Hugin & Munin) LARP Nicht scheuern, weiches Tuch verwenden
Knochen Knochennadeln für Nadelbindung, Gewandnadeln Historisch Leicht einölen, Feuchtigkeit vermeiden

Gewandung komplett gedacht: Was wohin gehört

Gewandung komplett gedacht: Was wohin gehört

Das Zusammenspiel der verschiedenen Ansteck-Elemente ergibt erst in der Gesamtgewandung Sinn. Hier eine Orientierung, was wohin gehört:

Zinnabzeichen werden mit ihrer Nadel oder ihrem Stift durch den Stoff von Hut oder Mantelkragen geführt und rückseitig leicht umgebogen. Mehrere Abzeichen nebeneinander sind historisch belegt – Pilger trugen oft eine ganze Sammlung ihrer absolvierten Wallfahrten. Auch an einer Gürteltasche oder einem Beutel macht ein Zinnabzeichen eine gute Figur.

Fibeln und Fürspangen gehören als Umhangschließe über die Schulter oder an den Ausschnitt des Übergewandes. Eine Ringfibel an der rechten Schulter hält den Umhang sicher, ohne den Wurfarm zu behindern. Bei Damendarstellungen findet die Fibel häufig mittig am Ausschnitt Verwendung.

Wadenwickelhaken werden ans Ende des Wadenwickels angenäht. Das Set aus zwei Haken (z.B. Hugin & Munin in Messing) wird paarweise verwendet und sorgt dafür, dass sich die Wickel über den Tag hinweg nicht lösen. Eine saubere Ausführung dieser Kleinigkeit macht den Unterschied zwischen einer durchdachten Wikinger-Darstellung und einem provisorisch wirkenden Outfit.

Knochennadeln dienen primär der Nadelbindung – der historischen Technik zur Herstellung von Wirkwaren vor dem Stricken – lassen sich aber auch als einfache Gewandnadeln einsetzen. Kombiniert mit passendem Mittelalter- und Wikinger-Gürtel oder ergänzt durch mittelalterliche Gewandschließen entsteht eine stimmige Gesamtgewandung.

Vehi Mercatus ist seit über 20 Jahren Fachhandel für Mittelalter, Reenactment und LARP. Bei Fragen zur Auswahl des passenden Ansteckers erreichst du uns telefonisch Mo–Fr 8–12 und 13–15 Uhr. Trusted Shops Mitglied, 30 Tage Rückgaberecht.

Von der Jakobsmuschel am Pilgerhut bis zum Hugin-und-Munin-Haken am Wadenwickel – such dir das passende Stück für deine Darstellung aus und steck es da an, wo es hingehört. Stöbere durch die Unterkategorien oder ruf uns an, wenn du dir bei der Auswahl nicht sicher bist.

Häufig gestellte Fragen

Der Begriff Fibel stammt vom lateinischen 'fibula' und bedeutet Spange oder Klammer. Im Mittelalter bezeichnet er Gewandschließen mit Verschlussmechanismus – von der einfachen Ringfibel bis zur aufwendigen Fürspange. Fibeln wurden verwendet, um Umhänge, Übergewänder oder Hemden zu schließen, und kamen vom Frühmittelalter bis ins Spätmittelalter vor.

Diese Anstecker werden Zinnabzeichen oder Pilgerabzeichen genannt. Sie wurden im 14. und 15. Jahrhundert aus Zinn gegossen und zeigten religiöse Motive wie die Jakobsmuschel, den Heiligen Christophorus oder den Erzengel Michael. Pilger steckten sie an Hut oder Mantelkragen, um vollbrachte Wallfahrten zu dokumentieren. Auch weltlich-ritterliche und erotische Motive sind historisch belegt.

Eine Ringfibel ist die schlichteste Form: ein Metallring mit beweglichem Dorn, ideal als Umhangschließe. Eine Scheibenfibel ist flächiger und oft reich verziert – sie diente auch als Schmuckstück. Die Fürspange (auch Agraffe) war aufwendiger gearbeitet, mit figürlichen Motiven, und wurde bevorzugt am Ausschnitt von Übergewändern getragen.

Wadenwickelhaken sind ein praktisches Element der wikingerzeitlichen Tracht. Sie werden ans Ende der Wadenwickel angenäht und verhindern, dass sich der Stoff im Laufe des Tages löst. Gängige Ausführungen sind einfache Messinghaken oder aufwendigere Sets mit dem Hugin-&-Munin-Motiv (Odins Raben) in Messing oder versilbertem Messing.

Das Wort 'Brosche' stammt vom französischen 'broche' (Spieß, Nadel) und bezeichnete ursprünglich jede Art von Nadel-Schmuckstück. Der Begriff kam im deutschsprachigen Raum vor allem im 18. und 19. Jahrhundert in Mode. Im mittelalterlichen Kontext spricht man korrekterweise von Fibeln, Fürspangen oder Gewandnadeln. Beide Begriffe meinen jedoch ähnliche Funktionsobjekte – Schmuck mit Nadelmechanismus zur Befestigung an der Kleidung.

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