Wikinger Wadenwickel und Beinwickel
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Wadenwickel – auf Altnordisch auch als Winingas bekannt – gehörten zur Grundausstattung der Wikinger und germanischen Krieger: lange Stoffstreifen, die vom Fuß bis unter das Knie gewickelt wurden und Wärme, Schutz und Stabilität beim Marschieren boten. Wer heute eine stimmige Frühmittelalter-Gewandung zusammenstellt, kommt an diesem Detail kaum vorbei.
Was sind Wadenwickel – und woher stammen sie?
Wadenwickel sind bindenartige Stoffstreifen, die spiralförmig vom Fuß bis unter das Knie gewickelt werden. Der Begriff Winingas ist aus altenglischen und altnordischen Quellen belegt und beschreibt genau dieses Kleidungsstück, das im gesamten germanischen Kulturraum verbreitet war. Der Begriff leitet sich vermutlich vom altenglischen wíndan (winden, wickeln) ab – eine treffende Beschreibung der Anlegetechnik.
Winingas waren kein exklusives Wikinger-Kleidungsstück: Angelsachsen, Franken, Germanen und viele andere frühmittelalterliche Völker trugen sie gleichermaßen. Ihre ursprüngliche Funktion war pragmatisch – als Sockenersatz und Beinschutz beim Marschieren über weites, unwirtliches Gelände. Eng gewickelt, hielten sie die Hose in Position, wärmten die Unterschenkel und schützten vor Dornen, Schlamm und Kälte.
Archäologische Funde belegen die Verwendung von Beinwickeln bereits seit der Eisenzeit. Zusammen mit einer Wikinger Hose oder Beinlingen und einem Wikinger Tunika oder Hemd bildeten sie das Fundament der frühmittelalterlichen Männerkleidung.
Historische Hintergründe: Winingas durch die Jahrhunderte
Frühe Beinwickel
Die ältesten Belege für Beinwickel reichen bis in die Eisenzeit zurück. Einfache Wollstreifen wurden als Schutz und Wärme für die Unterschenkel verwendet – ein grundlegendes Kleidungsstück, das in weiten Teilen Europas unabhängig voneinander entstand.
Wikinger und Angelsachsen
In der Wikingerzeit waren Winingas fester Bestandteil der Alltagskleidung. Runensteine und Bildquellen aus Skandinavien zeigen Krieger mit gewickelten Unterschenkeln. Altenglische Texte erwähnen den Begriff explizit. Die Materialien: hauptsächlich Wolle und Leinen, teils mit pflanzlichen Farbstoffen gefärbt.
Bayeux-Teppich als Bildquelle
Der um 1070 entstandene Bayeux-Teppich zeigt normannische und angelsächsische Krieger mit deutlich sichtbaren Beinwickeln. Diese Bildquelle gilt als eines der wichtigsten Zeugnisse für die Verbreitung von Wadenwickeln im frühen und hohen Mittelalter in Nordeuropa und auf den britischen Inseln.
Von Fasciae bis Puttees
Das Prinzip des Beinwickelns ist universell: Die Römer trugen Fasciae als Beinbinden, und im Ersten Weltkrieg wurden sogenannte Puttees – dem Wort nach aus dem Sanskrit entlehnt – als militärische Wadenwickel eingesetzt. Die Grundidee über Jahrtausende: Stabilität, Wärme und Schutz für den marschierenden Soldaten.
Muster und Farben: Von Fischgrät bis einfarbig
Fischgrätmuster (Herringbone)
Das Fischgrätmuster ist für die Wikingerzeit archäologisch nachgewiesen und gilt als das charakteristischste Webmuster der Epoche. Zweifarbig gewebt – zum Beispiel in Schwarz-Grau, Oliv-Grau oder Bordeaux-Grau – bietet es eine optisch markante und gleichzeitig historisch plausible Wahl für Reenactment und Wikinger-Gewandungen.
Einfarbige Naturtöne
Einfarbige Wadenwickel in Naturtönen sind historisch plausibel: Pflanzliche Färbemittel wie Waid (Blau), Wau (Gelb), Krapp (Rot) und Eichenrinde (Braun/Grau) waren im Frühmittelalter weit verbreitet. Die Farbwahl richtet sich nach Darstellungsregion und -epoche – für nordeuropäische Darstellungen passen gedeckte Töne besonders gut.
Segeltuch / Canvas
Wadenwickel aus Canvas sind eine strapazierfähige, pflegeleichte Alternative für LARP und Schaukampf. Das dichtere Gewebe ist weniger empfindlich als Wolle und hält auch intensivem Einsatz stand. Für reine Kostüm- oder LARP-Anwendungen eine praktische Wahl – historisch weniger korrekt, aber funktional überlegen.
Material im Vergleich: Wolle, Baumwolle und Mischgewebe
| Material | Eignung | Eigenschaften |
|---|---|---|
| 100% Wolle | Reenactment | Historisch korrektestes Material; wärmend, feuchtigkeitsregulierend, auch nass noch isolierend; leicht einlaufend |
| Wollmischung (74–80% Wolle, Rest Polyamid/Nylon) | Reenactment | Guter Kompromiss: Wolle-Eigenschaften mit verbesserter Formstabilität und Haltbarkeit |
| Leinen | Reenactment | Historisch authentisch; leichter als Wolle; ideal für wärmere Jahreszeiten; weniger elastisch beim Wickeln |
| 100% Baumwolle | LARP | Nicht historisch authentisch, aber praktisch und günstig; maschinenwaschbar; guter Einstieg |
| Canvas / Segeltuch | LARP | Besonders robust; einfarbig; wenig dehnbar; gut für Schaukampf und Outdoor-Einsatz |
| Mischgewebe mit Polyester | LARP | Günstigste Option; pflegeleicht; für Einsteiger und Kostümzwecke geeignet; nicht für Authentizitätsansprüche |
Kaufberatung: Das richtige Paar für deine Gewandung finden
Baumwoll- oder Canvas-Wadenwickel für Einsteiger, Kostüm und LARP. Maschinenwaschbar, pflegeleicht, in vielen Farben erhältlich. Für Reenactment-Ansprüche weniger geeignet, aber ein unkomplizierter Start in die Wikinger-Gewandung. Länge ca. 2 × 3,5 m – ausreichend für die meisten Erwachsenen.
Wollmischung (z.B. 74–80% Wolle mit Polyamid/Nylon-Anteil): gutes Verhältnis aus Authentizität, Haltbarkeit und Pflegeleichtigkeit. Ideal für LARP-Spieler mit Anspruch und für regelmäßige Marktbesucher. Fischgrätmuster und Naturtöne in dieser Preisklasse verfügbar. Länge 2 × 3,8 m – ausreichend auch für großgewachsene Träger.
Reine Wolle oder Fischgrätmuster aus hochwertiger Wolle für Living History und anspruchsvolles Reenactment. Historisch plausibelste Materialwahl, beste Wärmeleistung, optisch überzeugend. Dazu passendes Zubehör nicht vergessen: Fibeln und Ringfibeln oder historische Wadenwickelhaken zur Befestigung vervollständigen das Bild.
Bei den meisten Produkten handelt es sich um Einheitsgrößen – die entscheidende Variable ist die Länge, nicht die Konfektionsgröße. Die Standardlänge von 2 × 3,8 m ist für Erwachsene ausgelegt und reicht für eine vollständige Wicklung vom Knöchel bis unter das Knie. Für Kinder gibt es kürzere Varianten. Zubehör wie Wadenwickelhaken, Bänder und Fibeln findest du ergänzend im Sortiment.
Wadenwickel richtig anlegen – Schritt für Schritt
Die optimale Länge beträgt ca. 3,5–4 m pro Bein für Erwachsene – die im Sortiment häufige Angabe „2 × 3,8 m" bezieht sich daher auf ein Paar (ein Streifen je Bein). Kürzer geschnittene Wadenwickel reichen möglicherweise nicht bis unter das Knie.
Wickeltechnik: Beginn am Knöchel direkt über dem Schuh oder Wikinger-Schnabelschuh. Den Anfang des Streifens kurz einschlagen oder mit dem ersten Wickel fixieren, dann spiralförmig aufwärts wickeln – jede Lage überlappt die vorherige um etwa ein Drittel bis zur Hälfte der Breite. Am Knie den Streifen mit einem Baumwollband, einem Lederriemen, einer Wikinger-Fibel oder historischen Wadenwickelhaken sichern.
Häufige Fehler:
- Zu fest wickeln: Beeinträchtigt die Durchblutung und wird nach kurzer Zeit unangenehm – besonders bei längerem Gehen oder Stehen auf Märkten.
- Zu locker wickeln: Der Wickel rutscht herunter und muss ständig neu angelegt werden. Eine gleichmäßige, mittlere Spannung ist entscheidend.
- Falsche Startposition: Wer zu weit oben am Knöchel beginnt, hat am Ende zu wenig Material für die oberen Lagen – lieber knapp über dem Schuhrand starten.
- Ungleichmäßige Überlappung: Wechselnde Lagenabstände führen zu einem unruhigen Wickelbild und schlechterem Halt.
Wer die Technik noch nicht kennt, übt am besten zunächst ohne Zeitdruck zu Hause. Nach zwei bis drei Wiederholungen sitzt der Wickel gleichmäßig und hält den ganzen Markttag.
Pflege und Haltbarkeit deiner Wadenwickel
Wollprodukte sind am empfindlichsten in der Pflege: Handwäsche oder Schonwaschgang bei maximal 30 °C mit einem milden Wollwaschmittel, anschließend liegend trocknen – niemals aufhängen, da Wolle im nassen Zustand unter ihrem Eigengewicht nachgibt und sich verzieht. Ein leichtes Einlaufen nach der ersten Wäsche ist normal; die Länge kann sich um einige Zentimeter verkürzen, ohne dass die Funktion darunter leidet.
Baumwollprodukte sind deutlich pflegeleichter: maschinenwaschbar bei 40 °C, trocknergeeignet (niedrige Stufe). Canvas-Wadenwickel lassen sich auch bei 60 °C waschen, wenn nötig.
Zur Lagerung empfiehlt sich das lockere Aufrollen oder Falten – nicht zusammenpressen oder in enge Taschen stopfen, da Wolle unter Dauerdruck die Faserstruktur verliert. Nach Marktveranstaltungen, besonders bei feuchtem Wetter: Wadenwickel sofort ausbreiten und vollständig trocknen lassen, bevor sie verstaut werden. Schimmelflecken bei Wolle sind hartnäckig und kaum rückstandsfrei zu entfernen.
Ob du deine erste Wikinger-Gewandung zusammenstellst oder eine bestehende Darstellung um ein authentisches Detail ergänzen möchtest – die richtige Wahl bei Wadenwickeln macht mehr aus, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Stöbere durch unser Sortiment und finde das passende Paar für deinen Stil, dein Budget und deinen Anspruch an historische Genauigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Winingas ist der altenglische und altnordische Begriff für Beinwickel – also lange Stoffstreifen, die vom Fuß bis unter das Knie gewickelt wurden. Der Begriff ist in frühmittelalterlichen Quellen belegt und bezieht sich auf dasselbe Kleidungsstück, das auch als Wadenwickel, Beinwickel oder Wickelgamasche bezeichnet wird. Im Unterschied zu modernen Gaitern wurden Winingas spiralförmig gewickelt und mit Bändern, Fibeln oder Wadenwickelhaken befestigt.
Für Erwachsene sind Wadenwickel mit einer Länge von etwa 3,5 bis 4 Metern pro Bein ideal – die im Sortiment häufige Angabe '2 × 3,8 m' meint ein Paar, also je einen Streifen pro Bein. Kürzere Varianten reichen möglicherweise nicht vollständig bis unter das Knie. Die Breite liegt typischerweise bei 8–10 cm, was ein gleichmäßiges spiralförmiges Wickeln ermöglicht.
Beginne direkt über dem Schuh am Knöchel und wickle den Streifen spiralförmig aufwärts, wobei jede Lage die vorherige um etwa ein Drittel bis zur Hälfte überlappt. Am Ende – unterhalb des Knies – den Streifen mit einem Band, einer Fibel oder einem Wadenwickelhaken fixieren. Wichtig: weder zu fest (Durchblutung) noch zu locker (rutscht ab) wickeln. Nach zwei bis drei Übungsversuchen sitzt der Wickel in der Regel sicher für den ganzen Tag.
Historisch authentisch sind Wolle und Leinen – Baumwolle war im frühmittelalterlichen Nordeuropa nicht als Webware verfügbar. Wolle bietet zusätzlich den Vorteil, auch im nassen Zustand noch zu wärmen und feuchtigkeitsregulierend zu wirken. Für LARP und Einsteiger sind Baumwoll- oder Canvas-Varianten eine praktische und günstigere Alternative, die in der Pflege unkomplizierter sind.
Wollwadenwickel sollten bei maximal 30 °C im Schonwaschgang oder per Handwäsche gereinigt und anschließend liegend getrocknet werden – nie aufgehängt, da feuchte Wolle unter Eigengewicht nachgibt. Ein leichtes Einlaufen nach der ersten Wäsche ist normal. Nach Marktveranstaltungen bei feuchtem Wetter unbedingt vollständig trocknen lassen, bevor die Wickel verstaut werden, um Schimmelbildung zu vermeiden.









